Bei Auslandseinsätzen unverzichtbar

Dr. Dr. Lür Köper, 70, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Bremerhaven und Bremen, ist zugleich Vorstandsmitglied von „Mercy Ships“. Für sein Engagement auf diesen Hospitalschiffen zur Fach-Versorgung der Ärmsten der Welt hat der Arzt 2006 das Bundesverdienstkreuz erhalten.
Bei diesen internationalen Einsätzen und der Verständigung auf Englisch, so sagt Dr. Dr. Lür Köper, sind die klare Worterkennung und damit seine Hörgeräte unabdingbar. Er trägt Signia 7nx, angepasst von Jochen Keibel.

Herr Dr. Köper, wie haben Sie gemerkt, dass Sie Hörgeräte brauchen?

Wenn ich heute zurück denke an meine Schulzeit: Ich hatte in Deutsch immer Probleme, das Diktat zu verstehen. Und da haben sich meine Eltern nicht drum gekümmert und ich habe eine „6“ nach der anderen nach Hause gebracht. Das wurde verharmlost und auch nicht wirklich nachgefasst.
Das „Aha-Erlebnis“ habe ich 1977 gehabt. Da habe ich meine HNO-Facharztausbildung angefangen und mein Ausbilder sagte damals, wenn ich die Türklingel oder das Telefonläuten nicht hören würde, dann sei ich schwerhörig. Da hab ich gesagt, dass ich das nie höre. Daraufhin haben wir eine Hörprüfung gemacht und dann stellte sich heraus,dass ich schon eine beginnende Innenohrschwerhörigkeit habe.
Später habe ich noch etliche Hörstürze gehabt. Die haben in der Regel eine gute Prognose, aber jeder Hörsturz ist mit dem Tod von Haarzellen verbunden. Jeder hat sukzessive zu einer Hörverschlechterung geführt. Bis ich dann festgestellt habe, es geht so nicht mehr und mich dann doch entschlossen habe, Hörgeräte zu tragen. Das war natürlich schon eine Schritt.

Sie haben sich ja wirklich erst spät – erst 2003 – dazu entschieden, Hörgeräte zu tragen. Warum?

Hörgeräte sind was anderes als eine Brille. Eine Brille sieht interessant aus, ein Hörgerät dagegen nicht.
Da muss man sich schon überwinden, den Schritt zu machen, zumal die Hörgeräteanpassung schwieriger ist und auch die Gewöhnung ans Hörgerät. Das ist eben nicht eine Brille aufs Ohr setzen, sondern schon in irgendeiner Weise auch anders hören lernen.Aber im Endeffekt muss ich sagen, dadurch habe ich Lebensqualität gewonnen, die ich sonst nicht gehabt hätte. Wenn ich jetzt ohne Hörgerät bin, verstehe ich nicht, was gesagt wird.

Hat Sie das denn im Beruf nicht eingeschränkt, dass Sie so schlecht verstanden haben?

Als Chirurg reden sie nicht viel mit den Leuten. Und so im Gegenüber geht es auch jetzt noch ohne Hörgeräte. In lautem Umfeld oder im OP mit Maske, das hatte ich schon Schwierigkeiten.
Eingeschränkt hat es mich beruflich natürlich auch bei meinen internationalen Einsätzen. Da läuft die ganze Verständigung auf Englisch. Wenn Sie fremdsprachlich unterwegs sind, benötigen Sie eine höhere Worterkennung, als wenn Sie muttersprachlich unterwegs sind.

Gab es denn letztendlich eine auslösende Situation, warum Sie sich entschieden haben, einen Akustiker aufzusuchen?

Nein. Es war der persönliche Kontakt zu Jochen Keibel, dass ich mich dafür entschieden habe beziehungsweise an das Problem Hörgeräte herangeführt wurde.

Es wird sehr deutlich, dass Hörgeräte für Sie ein Stigma waren. Können Sie das noch so nachvollziehen?

Sicherlich ist es mehr gefühlt als tatsächlich ein Stigma. Aber das Vorurteil ist eben da, man setzt sich eher eine Brille auf, als das man sich ein Hörgerät reinmacht.

Werden Sie denn drauf angesprochen, dass Sie Hörgeräte tragen?

Die Masse sieht es gar nicht. Dass ich drauf angesprochen werde, ist noch nie passiert. Es sei denn, man ist in einer Situation, wo man sich über Schwerhörigkeit unterhält…
Ich habe mittlerweile ein recht entspanntes Verhältnis zu meinen Hörgeräten.

Nach so vielen Jahren müsste es Ihnen ja auch in Fleisch und Blut übergegangen sein, Sie zu tragen?

Es gibt schon Situationen, wo das nicht so ist. Als Brillenträger ohne Brille merken Sie sofort, dass sie nicht gucken können, da werden Sie unmittelbar dran erinnert. Beim Hörgerät ist das ein bisschen anders. Wenn die Umgebung nicht geräuschvoll ist oder Sie sich nicht unterhalten, können Sie eben auch mal vergessen, die Hörgeräte reinzunehmen. Was noch ein größeres Problem ist, die Batterie immer dabei zu haben…
Neulich war ich bei der Gala „Ein Herz für Kinder“ eingeladen und wusste, dass ich gleich von Johannes B. Kerner interviewt werde. Eigentlich hatte ich alles eingepackt, aber im letzten Moment vergessen, die Batterien einzustecken…
Fünf Minuten, bevor Johannes B. Kerner auf mich zukommen sollte – vor laufender Kamera und live – macht es nur ding-dong, die Batterie war leer. Glücklicherweise auf dem schlechteren Ohr. Da habe ich Blut und Wasser geschwitzt, dass ich die Frage richtig verstehe und beantworte. Sonst entsteht ja der Eindruck, der ist nicht ganz dicht, wenn man nicht exakt antwortet. Weil Sie selbst ja denken, der hat was ganz anderes gefragt. Sie antworten also irgendwas und hoffen, dass Sie das richtig getroffen haben. Ist wie im Lotto.

Aber ohne Hörgeräte hätte das Gespräch in einer solchen Situation ja gar nicht funktioniert….

Das stimmt. Das Hörgerät ist eine große Hilfe, auf die ich nicht verzichten wollte oder könnte.