Es ist fantastisch, was die digitale Technik leistet

Dr. Hermann Eibach praktizierte 32 Jahre als niedergelassener Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Bremen-Vegesack. Während seiner Ausbildung zum Facharzt arbeitete er unter anderem mit Soldaten, die unter einem Knalltrauma litten. Die daraus resultierende Schwerhörigkeit gleicht häufig der, wie sie auch bei Menschen im höheren Alter auftritt. Im Rahmen einer Studie beschäftigte sich Eibach damit, wie man solche Traumen therapieren kann, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Im Laufe seiner Zeit als praktizierender HNO-Arzt begleitete er zahlreiche Patienten auf dem Weg zum besseren Hören. Als ehrenamtlicher Dombauherr des Bremer St.-Petri-Doms kümmerte er sich während seiner Amtszeit unter anderem um die Verbesserung der raumakustischen Verhältnisse des aus dem 11. Jahrhundert stammenden Bauwerks. Seit 2019 trägt Dr. Hermann Eibach selbst Hörgeräte. Entschieden hat er sich für das Oticon OPN 2. Angepasst wurde es von Jochen Keibel.

Herr Dr. Eibach, wie haben Sie gemerkt, dass Sie ein Hörgerät benötigen?

Mir ist es ergangen wie vielen meiner Patienten: Ich habe gemerkt, dass ich in Gruppen nicht mehr alles verstehen kann. Das ist meistens das erste Symptom einer allmählich zunehmenden Altersschwerhörigkeit. Ich habe zu dieser Zeit eine ehrenamtliche Tätigkeit ausgeübt, bei der auch häufig Sitzungen stattfanden – oft in größeren Gruppen. Was von hinten gesprochen wurde, konnte ich vorne nicht verstehen. Das war lästig und erzeugte auch Heiterkeitserfolge, wenn ich wieder mal etwas falsch verstanden hatte. Da war dann klar, es muss was getan werden.
Ansonsten besteht nämlich die Gefahr, dass man in die soziale Isolation gerät, weil man nicht mehr an Unterhaltungen teilnehmen kann. Sich durch ein Hörgerät wieder normal austauschen zu können, ist ein großes Stück Lebensqualität.

Haben Sie sich im Vorfeld über die aktuelle Hörgerätetechnik informiert?

Ich bin seit 2017 im Ruhestand und war dadurch nicht mehr so dicht dran. Allerdings habe ich die Entwicklung über die Jahre beobachtet. Die Technik wurde immer ausgefeilter und ist selbst für einen vorgebildeten Laien wie mich schwer zu durchblicken. So habe ich während meiner beruflichen Tätigkeit den Übergang vom analogen zum digitalen Hörgerät miterlebt. Dadurch, dass der Schall digital gewandelt und gefiltert werden kann, ist viel möglich geworden. Es ist fantastisch, was die digitale Technik leistet, damit Hörgeräte natürlich klingen. Es bleiben aber auch Wünsche offen.

Zum Beispiel habe ich beim Ausprobieren verschiedener Geräte in ruhiger Umgebung ein relativ starkes Grundrauschen bemerkt. Das liegt daran, dass meine Schwerhörigkeit nicht besonders ausgeprägt ist, und ich den Störschall der Geräte deswegen noch wahrnehmen kann. Menschen mit einer ausgeprägteren Schwerhörigkeit hören dieses Rauschen meist gar nicht. Die Stärke des Geräuschs variiert mit den verschiedenen Hörgeräten. Darauf sollte man bei der Auswahl bewusst achten. Es wäre wünschenswert, dass die Hersteller es schaffen, das Grundrauschen der Geräte auch für Träger mit einer weniger ausgeprägten Schwerhörigkeit zu reduzieren.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich für ein bestimmtes Hörgerät entschieden haben?

Bis dahin sind viele Monate vergangen. Vorher habe ich in Zusammenarbeit mit Herrn Keibel unterschiedliche Geräte verschiedener Firmen ausprobiert. Die Anpassungssitzungen zogen sich über ein Jahr, aber inzwischen bin ich sehr zufrieden. Herr Keibel hat sich viel Mühe gegeben, die Einstellungen so anzupassen, dass meine Bedürfnisse befriedigt werden.
Dass es so lange gedauert hat, lag aber auch daran, dass ich schon immer mit einer angeborenen Schwerhörigkeit im mittleren Frequenzbereich gelebt habe. Sehr hohe und sehr tiefe Frequenzen konnte ich dagegen immer ohne Einschränkung wahrnehmen. Ich habe wunderbar gehört. Die Verarbeitung des Schalls in meinem Gehirn hat sich auf die besondere Situation eingestellt. – Bei der Anpassung meiner Hörgeräte hat sich jetzt herausgestellt, dass es nicht sinnvoll ist, die angeborene Störung im mittleren Frequenzbereich zu korrigieren, dies führte nicht zu einer Verbesserung des Hörens. Dies zu erkennen, daran haben Herr Keibel und ich länger gearbeitet. Das war sicher auch für ihn eine interessante Erfahrung.

Was war Ihnen bei der Auswahl wichtig?

Dass das genannte störende Rauschen möglichst gering ist. Wichtig war mir auch die Leistung im Bereich Musik. Es hat mich schon früher interessiert, wie sich ein Hörgerät auf das Hören von Musik auswirkt. Wie die meisten Hörgeräteträger lasse auch ich meine Geräte dabei angeschaltet. Was das ausmacht, zeigt sich deutlich, wenn ich sie im Konzert aktiviere. Dann stelle ich fest, dass ich auch hohen Orgeltöne und die entsprechenden Klangfarben wieder hören kann. Was die Geräte in diesem Bereich leisten ist beeindruckend. Das gilt auch für die Erweiterung des Klangspektrums bei Orchestern und Streichquartetten. Beim Impulsschall des Klaviers stoßen die Geräte allerdings an Grenzen. Klavierspiel ist übrigens auch für Zimmerlautsprecher der härteste Test.

Können Sie jetzt, wo Sie selbst Hörgeräte tragen, bestimmte Schwierigkeiten ihrer Patienten besser nachvollziehen?

Ich erlebe das, was die Wissenschaft und die Hörgeräteakustiker immer wieder sagen: Man muss eine gewisse Eingewöhnungszeit einhalten. Mit einem Hörgerät funktioniert es nicht wie mit einer Brille, durch die man sofort scharf sieht. Es braucht eine Weile, bis das Hörgerät als Teil des normal empfundenen Hörens wahrgenommen wird. Wenn man diese Zeit jedoch hinter sich hat, empfindet man die Geräte als große Hilfe. Gerade im Musikbereich habe ich schnell gemerkt, dass dort viel Zugewinn möglich ist.

Warum haben Sie sich für Keibel Hörgeräte entschieden?

Aufgrund meiner guten Erfahrungen. Schon früher, als ich noch praktizierte, gingen viele meiner Patienten zu Keibel Hörgeräte. Dabei habe ich festgestellt, dass man sich dort sehr viel Mühe gibt. Ich habe damals jedem Patienten, der das erste Mal mit seinem neuen Hörgerät zu mir kam, das Gerät aus dem Ohr genommen. Ich wollte hören, wie es klingt, ob der Ton klar und deutlich ist. Dabei habe ich festgestellt, dass man sich bei Keibel Hörgeräte auch bei zuzahlungsfreien Geräten bemüht hat, den Patienten optimal zu versorgen und ihm gute Hörgeräte anzupassen.
Auch ich habe mich bei Keibel Hörgeräte gut aufgehoben gefühlt. Zudem habe ich den Eindruck gewonnen, dass Jochen Keibel über die Jahre und Jahrzehnte hinweg immer bemüht war, an der Spitze des technisch Möglichen zu sein und eine Auswahl an solchen Geräten zur Verfügung zu stellen, in denen wirklich gute Technik verarbeitet wurde. Er sucht den Kontakt mit den Entwicklungsabteilungen der Firmen, um immer auf dem neusten Stand des technisch Möglichen zu sein.

Welche technischen Möglichkeiten würden Sie sich für Ihre Hörgeräte noch wünschen?

Für meine Hörgeräte nutze ich zwei Programme: eines für Musik, bei dem alle Filter der Geräte ausgeschaltet sind, und eines für Sprache. Für jeden, der technisch interessiert ist, der vielleicht auch im Alltag mit Akustik umgeht, mit Equalizer oder Verstärkern arbeitet, wäre es generell interessant, die Geräte selbst einstellen zu können. Vielleicht auf einem gesonderten Kanal, wo man verschiedene Einstellungen ausprobieren kann. Der Akustiker überprüft diese dann anschließend und übernimmt die Einstellungen, die seiner Erfahrung nach passen. Herr Keibel sagte mir, dass so etwas aktuell entwickelt wird, und es schon Techniken gibt, die gewisse Einstellungsmöglichkeiten bieten (Anm. d. Red.: zum Beispiel call2hear).
Das Ganze ist aber eine sehr komplexe Materie, denn auch Menschen mit gleicher Hörkurve reagieren auf die gleichen Hörgeräte-Einstellungen verschieden. Das ist eine Frage der persönlichen Wahrnehmung, zudem arbeiten Ohren unterschiedlich. Die richtigen Einstellungen zu finden ist deshalb ein sehr komplexes Vorgehen, bei dem der Akustiker seine ganze Erfahrung einbringen muss. Um zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen, ist eine fachkundige Beratung absolut erforderlich.